Schonhaken vs. Widerhaken: Warum die Technik den Unterschied macht

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Die Debatte ist so alt wie das moderne Angeln selbst: Schonhaken (Barbless) oder Widerhaken (Barbed)? Das Vorurteil lautet: „Schonhaken sind zwar waidgerechter, aber im Drill verliere ich damit viel mehr Fische.“

Doch stimmt das wirklich? Aus meiner Erfahrung als Turnierangler kann ich sagen: Nein. Es ist nicht der Haken, der den Fisch verliert – es ist die Technik. In diesem Artikel erfährst du, warum der Schonhaken oft die überlegene Wahl beim Angeln auf den Zielfisch Forelle ist und wie du deine Fangquote trotz (oder gerade wegen) fehlendem Widerhaken steigerst.

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Warum Schonhaken? Die unschlagbaren Vorteile

Es gibt gute Gründe, warum Schonhaken immer beliebter bei Anglern werden. Sie bieten Vorteile, die weit über den Tierschutz hinausgehen:

Eindringwiderstand

Ein Schonhaken mit gerader Spitze hat einen geringeren Eindringwiderstand. Er gleitet deutlich leichter ins Fischmaul als ein Modell mit Widerhaken, das erst eine zusätzliche „Barriere“ überwinden muss. Das Ergebnis: Optimales Haken direkt beim Biss.

Sicherheit für Mensch und Material schonen
  • Verletzungsrisiko: Besonders wenn Kinder mit am Wasser sind, ist ein Schonhaken ein Muss. Sollte ein Haken mal in der Haut landen, lässt er sich ohne chirurgischen Eingriff entfernen.
  • Textilien: Wer kennt es nicht? Der Haken hängt in der teuren Wathose oder Regenjacke. Während man beim Widerhaken oft zur Schere greifen muss, lässt sich der Schonhaken rückstandslos herausziehen.
Langlebigkeit deiner Köder

Ein oft unterschätzter Punkt: Gummiköder halten länger. Widerhaken zerfetzen beim beim Köderwechsel den Eintrittskanal des Gummis. Mit Schonhaken kannst du deine Softbaits deutlich häufiger wechseln und fischen, ohne dass das Material ausreißt.

Hänger-Prävention unter Wasser

Schonhaken verfangen sich seltener in Hindernissen wie Totholz, Kraut oder Steinen.

Während ein Widerhaken sich in Holzfasern oder festem Kraut richtig „festbeißt“, rutscht ein Schonhaken bei Entlastung oft leichter wieder heraus. Das spart teure Köder und schont deine Nerven.

Waidgerechtigkeit

Der Haken löst sich nach dem Fang meist schon im Kescher. Das ist praktisch! Sollte im Drill die Schnur reißen, hat der Fisch zudem eine reelle Chance, den hakenlosen Fremdkörper schnell wieder loszuwerden.

Unbeabsichtigt gehakt

Es lässt sich beim aktiven Angeln leider nie ganz vermeiden: Manchmal wird ein Fisch beim Einholen des Köders versehentlich an der Flanke, am Rücken oder an der Schwanzflosse gehakt.

Jeder Angler weiß: Ein Fisch, der von außen gehakt wurde, entwickelt im Drill enorme Kräfte, da er nicht über das Maul geführt werden kann. Das Lösen eines Widerhakens aus den festen Schuppen oder den Strahlen der Flossen ist oft ein schwieriger und langwieriger Kraftakt, der den Fisch zusätzlich stresst oder unnötig verletzt.

  • Chance auf Selbstbefreiung: Mit einem Schonhaken besteht eine sehr gute Chance, dass sich der Haken bereits bei einer kurzen Entlastung der Schnur von selbst löst, noch bevor der Fisch mühsam gelandet werden muss.
  • Minimale Verletzung: Falls der Fisch dennoch gekeschert wird, lässt sich der Schonhaken ohne Widerstand entfernen, ohne das Gewebe oder das Schuppenkleid weiter aufzureißen.
Das Phänomen der „Aussteiger“: Mythos vs. Realität

Das Hauptargument der Widerhaken-Befürworter ist die Angst vor dem Fischverlust. Doch Fakt ist: Wer viel angelt, reduziert Aussteiger durch Routine und optimiertes Gerät, nicht durch den winzigen Widerhaken.

Meine Erfahrung: Ich habe mit beiden Hakentypen Fische verloren. Der Grund war jedoch fast nie der Haken selbst, sondern eine falsch eingestellte Bremse, die falsche Rutenhaltung oder ein Nachlassen der Spannung im entscheidenden Moment weil ich z. B. dem Fisch ein Stück entgegen gegangen bin.

Was wir von der Turnierangel-Szene lernen können

Während meiner Zeit als Turnierangler bei der PTC und anderen Turnierformaten in den Niederlanden und Belgien habe ich interessante Beobachtungen bei der Teilnahme an unterschiedlichen Turnierformaten gemacht. Ich erachte diese als besonders wertvoll, da man bei diesen Turnieren sehr viel Fischkontakt hat und oft über 500 Fische gefangen werden. Wenn sich Rückschlüsse auf das Thema ziehen lassen, dann dort!

Catch & Release“ Turniere: Hier sind Schonhaken Pflicht. Die Fische werden gefangen und wieder ins Wasser „released“. Die Aussteigerquote war bei den Anglern gering was auf eine gute Technik der Angler schließen lässt. Es war also nicht zu erkennen das Schonhaken hier im Nachteil waren.

„Catch & Cook“ Turniere: Hier ist die Hakenwahl frei gestellt. Statistisch gesehen konnten Angler mit Widerhaken keinen Vorteil verbuchen. Im Gegenteil: Meist gewannen diejenigen, die ohne Widerhaken fischten. Die Technik war also entscheidend. Hätten Angler hier einen Vorteil mit Widerhaken müssten diese regelmäßig vorne auf dem Siegertreppchen stehen. Das ist jedoch nicht der Fall.

Praxis-Tipps für den sicheren Drill mit Schonhaken

Damit du keinen Fisch verlierst, solltest du diese drei Punkte beachten:

  • Konstanter Zug: Das A und O. Vermeide jegliche Entlastung der Schnur. Ein kontrollierter Drill mit gleichmäßigem Druck verhindert, dass der Haken ausschlitzt.
  • Die Bremse ist dein Freund: Nutze eine fein justierte Bremse. Sie puffert die Kopfschläge des Fisches ab.
  • Der kritische Moment beim Keschern: Hier passieren die meisten Fehler. Viele Angler gehen dem Fisch mit dem Kescher entgegen und lassen dabei die Schnur locker. Tipp: Halte die Rute hoch, bleib auf Spannung und führe den Fisch über den Kescher, statt ihm hinterherzujagen. Der Fisch geht immer zum Kescher und nicht umgekehrt.
Fazit: Technik schlägt Widerhaken

Beherrschst du die Technik, bietet der Widerhaken praktisch keinen Vorteil mehr. Im Gegenteil: Die Vorteile beim Köderhandling, der Sicherheit und der Waidgerechtigkeit überwiegen bei weitem.


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