Erfolgreich Forellenangeln im Sommer

|

Der August bringt Hochsommer und damit auch seine ganz eigenen Bedingungen für uns Forellenangler mit sich. Während viele Fischarten die warmen Temperaturen lieben, stellt der Juli und August – insbesondere mit Wassertemperaturen über 20°C – uns vor Herausforderungen, besonders wenn wir an Angelseen und Teichen unterwegs sind.

Hohe Temperaturen

Im August erreichen die Wassertemperaturen oft ihren Jahres-Höchststand in Deutschland. Gleichzeitig führen Hitzeperioden zu starker Algenbildung und einem Überangebot an natürlicher Nahrung, z. B. Kleinfisch und Insektenlarven. Während viele Fischarten von diesen Bedingungen profitieren, sieht es bei Forellen ganz anders aus:

  • Forellen sind temperaturempfindlich und kommen mit Wassertemperaturen über 20 °C nur schlecht zurecht.
  • Der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt, und genau den brauchen Forellen
  • Die Fische werden träge, fressen kaum

Angelplatz

Damit du im Sommer überhaupt eine Chance hast, ist die Wahl des richtigen Angelplatzes entscheidend. Suche gezielt Gewässer auf, die auch bei Hitze gute Voraussetzungen bieten:

  • Große und tiefe Seen: In tieferen Schichten ist das Wasser kühler und sauerstoffreicher. Hier ist zu beachten das das sauerstoffreiche Wasser sich im Bereich bis zur Barriere der Sprungschicht befindet. In Grundnähe wird man hier also bei sehr tiefen Seen ab vermutlich 10 Metern keinen Erfolg haben.
  • Teiche mit Frischwasserzufluss: Ein Fließgewässeranschluss sorgt für eine sehr kühle und damit optimale Wassertemperatur. Die Betreiber hat in der Regel auch die Möglichkeit die Menge des Frischwassers fein zu regulieren. Das sorgt für optimale und gleichbleibende Bedingungen.
  • Belüftete Gewässer: Wenn der See über Sauerstoffeintrag durch Pumpen oder Springbrunnen verfügt, ist das ein klarer Vorteil. Das ist nicht so perfekt wie eine Anlage mit Anschluss an einem Bach oder Fluss aber besser als nichts.
  • Teiche mit einer kleine Quelle im Gewässer. Dieses Quellwasser ist in der Regel sauerstoffarm bringt aber zumindest die Temperatur runter.
  • Schattenzonen: Unter überhängenden Bäumen bleibt das Wasser oft etwas kühler – dort stehen Forellen bevorzugt.
  • Kühleres Tiefenwasser: Weht der Wind stark und über längere Zeit aus einer Richtung, kann er das wärmere Oberflächenwasser von der windzugewandten Seite eines Sees wegdrücken. An der windabgewandten Seite sammelt sich dieses Wasser, während gleichzeitig kälteres Tiefenwasser an die Oberfläche steigt – ein Phänomen, das als Upwelling-Effekt bezeichnet wird. Dieser Effekt tritt vor allem an größeren Seen auf und kann die Wassertemperatur und Sauerstoffverteilung lokal deutlich beeinflussen. An den üblichen Angelteichen ist dieser Effekt nicht zu bemerken.

Angelzeiten

Gerade bei hohen Temperaturen gibt es Tageszeiten und Wetterlagen, die deine Erfolgschancen deutlich erhöhen:

  • Früher Morgen und später Abend: Die Wassertemperaturen sind niedrig, und der Sauerstoffgehalt an der Oberfläche ist höher.
  • Regnerische Tage: Nach längeren Hitzephasen bringt Regen frisches, kühleres Wasser ins Gewässer – das kann die Fische kurzfristig aktiver machen.
  • Windige Bedingungen: Wind durchmischt die Wasserschichten, kühlt die Oberfläche leicht ab und reichert sie mit Sauerstoff an. Besonders gut sind windzugewandte Ufer.

Vermeide unbedingt das Angeln in den heißen Mittagsstunden bei Windstille – das ist meist die ungünstigste Zeit, sowohl für den Fangerfolg als auch für das Tierwohl.

Köderwahl

Wenn Forellen bei Hitze fressen, dann meist nur zögerlich. In solchen Situationen sind kleine, dezente Köder oft deutlich erfolgreicher. Passe die Köder hinsichtlich der Lauftiefe an die Situation an. Häufig stehen die Forellen eher an der Oberfläche.

  • Spoons unter 1 g
  • Mini-Gummiköder wie der Barraco oder Moli Fat
  • Popla Popper, 3.7 g (rot, „Original von Viktor Omelchenko“) mit einem Gummiköder oder einer Made (in den Schwarm ziehen und beim sinken des Köders kommt in der Regel der Biss). Ein gutes und praxisnahes Video gibt es hierzu von Erwin Meiris.
  • Oberflächennah geführte Wobbler mit folgender Lauftiefe:
    • F (Floater)
    • SS (Slow Sinking)
    • SR (Shallow Runner)
    • MR (Medium Runner)

Wichtig: Führe deine Köder möglichst langsam und unauffällig – hektische Bewegungen schrecken die trägen Fische eher ab.

Beobachtung

Verschaffe dir bei Ankunft am Gewässer zunächst einen Überblick, um einzuschätzen, ob sich das Angeln an diesem Tag lohnt.

Anzeichen, die gegen einen erfolgreichen Angeltag sprechen:

  • Das Wasser fühlt sich mit der Hand gefühlt spürbar warm an.
  • Die Forellen stehen dicht gedrängt in bestimmten Ecken und zeigen kaum Aktivität.
  • Nutze unbedingt eine Polbrille um die Fische im Wasser zu sehen
  • Kranke Forellen in deutlicher Anzahl im Gewässer (verpilzt, schräg schwimmend)
  • Andere Angler sind bereits vor Ort, aber ihre Köder bleiben unbeachtet.
  • Informiere dich auf Social Media (Instagram, Facebook) ob die letzten Tage gefangen wurde
  • Mach dich auf der Website des Betreibers schlau ob Frischwasser ins Gewässer kommt oder nur eine Umwälzung des Wassers stattfindet.
  • Wenn du siehst, dass sich die Fische lethargisch am Sprudler aufhalten, bitte den Betreiber, diesen für eine Weile auszuschalten. So verteilen sich die Fische wieder im See und sind wieder zu beangeln.

Alternative Fischarten

Viele Betreiber von Angelseen besetzen in den heißen Monaten bewusst Störe statt Forellen – vor allem aus temperaturbedingten Gründen.

Störe, wie etwa der Sterlet oder russische Stör, sind deutlich widerstandsfähiger gegenüber warmem Wasser und niedrigen Sauerstoffwerten. Sie bleiben selbst bei hohen Temperaturen aktiv und vital – ideal also für den Sommerbesatz.

Wenn es in deiner Region im Sommer keine geeignete Forellenanlage gibt, lohnt sich der Blick auf andere Zielfische.

Der Sommer gehört nicht nur den Stören, sondern auch vielen wärmeliebenden Fischarten. Besonders karpfenartige Fische zeigen sich jetzt von ihrer aktiven Seite und fressen reichlich:

  • Döbel steigen oft in die oberen Wasserschichten und schnappen sich Köder sogar von der Oberfläche.
  • Rotfedern, der Klassiker vieler Kinderangelkarrieren, sind jetzt besonders gut zu fangen.
  • Auch Rapfen und Karpfen zeigen sich hungrig und beißfreudig.

Bei den Raubfischen lohnt sich der gezielte Versuch auf:

  • Wels,
  • Zander
  • und Aal,
    da sie warme Temperaturen gut vertragen. Selbst der Hecht kann im Sommer gefangen werden – auch wenn er kühleres Wasser bevorzugt.

Fazit

Der August stellt uns Forellenangler an Seen und Teichen vor besondere Herausforderungen. Doch mit der richtigen Gewässerwahl, kleinen und unauffälligen Ködern sowie gutem Timing – früh morgens, abends oder an kühleren Tagen – kannst du auch im Sommer erfolgreich sein.

Mein Dank zum Schluss an Christian Klatt, Sebastian Klemm, Patrick Polenz (Troutbaits) und Jörg Duncker die den Artikel mit Ihren Ergänzungen angereichert haben.

Podcast


Kategorien/ Schlagwörter

,

Beitrag mit Freunden teilen…


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner